„Wir müssen akzeptieren, dass es in dieser Saison um den Abstieg geht.“ Nach der 0:3-Heimniederlage gegen den 1. FC Riegelsberg fand Tobias Blatt, Trainer der Fußball-Regionalligakickerinnen des SV Holzbach deutliche Worte. Tatsächlich hatte sich seine Mannschaft 70 Minuten lang schwach präsentiert und war dem Gegner – der davor nur zwei Punkte mehr auf dem Konto hatte – in allen Belangen unterlegen.

„Ich hatte sie aus der Vorsaison als eine sehr kampfstarke Mannschaft in Erinnerung“, sagte Riegelsbergs Spielertrainerin Melanie Klein. Davon sah sie dieses Mal nicht viel. Davon sahen auch die Zuschauer nicht viel. Hinzu kam, dass es an weiteren sogenannten Basics fehlte. Ballkontrolle. Präzision im Passspiel. Zweikampfstärke. „Ich finde gar keine Worte für das, was in Hälfte eins passiert ist“, so Blatt. Dabei war der der Ansicht, seine Mannschaft bestmöglich auf die wichtige Partie vorbereitet zu haben. Davon war auf dem Platz nichts mehr zu sehen. Holzbach agierte viel zu fahrig, zu nervös. Weil auch die Gäste mit drei Niederlagen im Rücken angereist waren, kam die Anfangsphase generell sehr holprig daher. „Ich habe tatsächlich zum ersten Mal gesagt, dass wir gewinnen müssen“, so Klein. Und so führte sie die Startschwierigkeiten ihres Teams teilweise auf den Druck, teilweise aber auch auf den schwierig zu bespielenden Untergrund zurück. „Wir sind es eigentlich gewöhnt, aus der Abwehr heraus einen kontrollierten Ball zu spielen. Das wir hier schwierig.“ Doch es gelang ihrem Team mit zunehmender Spieldauer immer besser. Beispielsweise beim 0:1 in der 35. Minute. Da verlor Laura Rode einen Ball in der Vorwärtsbewegung. Riegelsberg schaltete schnell um, Klein selbst bediente Anika Scherer mit einem Querpass am Strafraum. Scherer zog aus rund 16 Metern ab, der Ball ging an den Innenpfosten und flog von da ins Tor.

„Für den zweiten Durchgang haben wir uns dann viel vorgenommen“, so Blatt. Doch bereits fünf Minuten nach Wiederanpfiff musste Holzbach das 0:2 einstecken: Dieses Mal setzte sich Anne Reinhard auf der rechten Seite durch – und bediente erneut Scherer, die ihre Torjägerqualitäten zum zweiten Mal unter Beweis stellte. Nur sechs Minuten später machte die Offensivakteurin ihren Dreierpack perfekt. Hierbei profitierte sie wieder von einem individuellen Fehler in der Holzbacher Defensive. Dieses Mal vertändelte Jana Berns den Ball, sodass Scherer leichtes Spiel hatte und nur noch einschieben musste. Nach dem 0:3 kam auch Holzbach in der Partie an, ließ den Ball besser laufen, erarbeitete sich Möglichkeiten: Lena Kliebe setzte sich über die linke Seite schön durch, doch ihr Abschluss ging deutlich übers Tor (70.). Dann bediente Michaela Blatt Jana Olbermann, die den Ball neben das Tor setzte (72.). Drei Minuten später brachte Hanna Lena Diel einen Freistoß in den Strafraum, wo gleich mehrere Holzbacher Spielerinnen den Ball verpassten. „Wir trauen uns in der Offensive aktuell auch viel zu wenig zu. Keiner sucht den Abschluss. Da merkt man das fehlende Selbstvertrauen“, so Blatt.

Der sieht viele Gründe für die aktuelle Misere seiner Mannschaft. Da ist beispielsweise die dünne Personaldecke. Nur zwei Spielerinnen saßen heute auf der Bank. Auch im Training stehen durchschnittlich nur sieben bis acht Spielerinnen zur Verfügung. Das macht sich bemerkbar. Hat es auch dieses Mal. Mechanismen fehlen. Ballsicherheit fehlt. Selbstverständlichkeit fehlt. So wird es tatsächlich eine schwere zweite Regionalligasaison für den SV Holzbach.

Rhein-Zeitung 22.10.2018